Fußball | Liebe | Luxemburg

 

Vorwort 

Luxemburg, das letzte Paradies des Fußballs? Neben Liechtenstein und San Marino hält auch das Großherzogtum offiziell noch das Fähnlein des Amateurfußballs in Europa hoch. Ausgerechnet Luxemburg, eines der wohlhabendsten Länder des Kontinents, lässt seine besten Fußballer nur nach Feierabend spielen. Abgesehen davon, dass das in der Realität nicht stimmt (in der BGL Ligue sind aktuell rund 100 Profis am Ball, und die Auswahlspieler sind ohnehin fast alle im Profiausland), ein struktureller Anachronismus, der für Diskussionen sorgt. Hemmen die antiquierten Rahmenbedingungen die Entwicklung des Luxemburger Vereinsfußballs? Dafür sprechen das geringe Zuschauerinteresse in der BGL Ligue und die überschaubaren internationalen Erfolge der Klubteams. Aber gäbe es überhaupt eine Chance für Profifußball zwischen Clervaux und Rümelingen? Könnten sich die Klubs refinanzieren und die Luxemburger Fans, die es gerne mit Mannschaften wie FC Bayern, Benfica Lissabon oder FC Metz halten, für sich begeistern? Zweifel sind angebracht. Manch einer sieht die Lösung daher in einer gemeinsamen Liga mit Belgien und den Niederlanden. In einer Benelux-Liga wäre Profitum möglich ― doch es wäre auch das Ende eines eigenständigen nationalen Ligensystems.

Während der Fußball weltweit immer größer, rasanter und schillernder wird, funktioniert er in Luxemburg tatsächlich noch ein bisschen wie früher. Als Journalist mit Schwerpunkt Fußball-Zeitgeschichte ist das durchaus eine Wohltat. Zumal vor Ort dennoch viel in Bewegung ist, vor allem bei den Auswahlmannschaften. Seit 2003 in Monnerich die Fußballakademie des Nationalverbandes FLF (Fédération Luxembourgeoise de Football) eröffnete, eilen die »Roud Léiwen« in allen Altersklassen zu immer neuen Erfolgen. Und auch die »Roud Léiwinnen« sind inzwischen auf dem Vormarsch.
Ich wollte es genauer wissen und habe mich auf die Suche nach Luxemburgs großer Fußballliebe begeben. Bin mit dem Fahrrad durch das Großherzogtum geradelt, habe bei allen namhaften Vereinen Station gemacht und nebenbei die wunderbaren Landschaften und ihre Bewohner kennengelernt. In Eischen traf ich eine Dame, die zu Glanzzeiten des FC Olympique am Grill stand und „Thüringer“ briet, die man in Luxemburg heute nicht mehr so nennen darf. In Grevenmacher erzählte mir der frühere Nationalspieler Romain Schreiner von der Indonesienreise 1980. Mit Nico Braun plauderte ich über die Bundesliga der frühen 1970er. Und Reporterlegende Pilo Fonck ließ mich teilhaben an seinen Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten.
Überall traf ich Menschen, die ihre Vereine liebevoll pflegen. Bei der großen Jeunesse, wo in den Katakomben die Wimpel von Real Madrid und Bayern München an ruhmreiche Stunden erinnern, ebenso wie in Käerjeng, wo ich eines der größten Jugendturniere Europas besuchte. Mit Beggen-Fans feierte ich die Rückkehr in die Ehrenpromotion, beim Barrage zwischen Fola und Jeunesse Canach wurden meine Sympathien ständig hin- und hergeschleudert. Der Thillenberg begeisterte den Fußballromantiker in mir, die Pokalfinals 2023 und 2024 sah ich ebenso im nüchtern-zeitgemäßen Stade de Luxembourg wie das mitreißende 3:1 der »Roud Léiwen« gegen Island. Zu dem Zeitpunkt war ich längst schon ein bisschen verliebt in das Fußballland Luxemburg.

Dieses Buch erzählt dessen Geschichte. Es ist die Story einer Liebe, die etwas aus der Mode gekommen ist. Dabei ist sie reich an großen Tagen und Momenten, an Spielerpersönlichkeiten wie Gusty Kemp, Louis Pilot, Guy Hellers oder Jeff Strasser, an Legenden wie Jeunesse, Red Boys, Stade Düdelingen, Beggen, Spora und Union. Es ist eine Reise durch rund 120 Fußballjahre, die in Esch ihren Anfang nahm und sich von dort über das ganze Großherzogtum ausbreitete.
Fußball war und ist der große Liebling Luxemburgs. Ein einfaches Spiel, das man überall bestreiten kann und das so wunderbar anzuschauen ist. Das Emotionen liefert, Identität stiftet, das Menschen verbindet, vor allem, wenn sie unterschiedlicher Herkunft und Kultur sind. Luxemburgs Fußballgeschichte ist ohne ihre italienischen und portugiesischen Anteile nicht zu erzählen. Denn Fußball wird zur Sozial- und Gesellschaftsgeschichte, wenn wir Station machen auf der Escher Grenz, im „Italienerviertel“ von Düdelingen, beim Niederkorner Familienklub oder in der Hauptstadt, wo einst drei große und allerlei kleine Teams um die Gunst des Publikums rangen und heute ein einziger Fusionsklub herrscht, für den sich kaum jemand interessiert.

Fußballgeschichte ist dabei immer auch Zeitgeschichte, und so beginnt dieses Buch mit der Stahlindustrie im Minett, ohne die Luxemburgs Fußballhistorie anders verlaufen wäre. Das Herz des Luxemburger Fußballs schlug ― und schlägt ― im Minett. Zugleich ist es verankert in der Hauptstadt, in Hostert, Bad Mondorf, Ettelbrück, Hobscheid und vielen anderen Orten. Beim FC Wiltz 71, bei Victoria Rosport, den Merscher Pokalhelden von 2023, den Fußballfrauen aus Ell und Mamer oder in Käerjengs ganz auf den Nachwuchs setzender Vereinsphilosophie. All diesen Orten und Protagonisten der letzten gut zwölf Jahrzehnte ist dieses Buch gewidmet. Ihr habt die Liebe zum Fußball gepflegt und eine Geschichte geschaffen, die ich nun erzählen darf. Danke.

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